Zigarettenstummel – eine unterschätzte Gefahr?

An vielen Bushaltestellen liegen sie, ebenso am Straßenrand oder am Strand: Zigarettenstummel. Auf den ersten Blick etwas unschön, aber doch nicht schlimm, oder? Ist ja nur ein kleines Stück … Ja, was eigentlich? Herkömmliche Zigarettenfilter bestehen aus Cellulose-Acetat, also aus Plastik. Sie verrotten nicht, sondern zerfallen nur. Daneben enthalten sie die Gifte, die sie beim Rauchen herausfiltern sollten. So können Zigarettenstummel bis zu 7.000 Giftstoffe enthalten. Doch auch unbenutzt, sind sie hochgiftig. Sie stellen so eine Gefahr für die Umwelt dar, insbesondere für das Wasser aber auch für kleinere Tiere, welche die Zigarettenfilter fressen. In Studien, in denen Zigarettenstummeln in Wasserbecken mit Fischen geworfen wurden, starben die Fische. Nach Schätzungen werden jedes Jahr zwischen 340 und 680 Millionen Kilo Zigarettenstummel weggeworfen. Werden diese nicht ordnungsgemäß entsorgt, stellen sie eine Gefahr dar.

Die Stadt Kiel hat nun beschlossen, dem entgegen zu wirken. Anstoß war ein Antrag der CDU-Fraktion. Dieser sah vor, die Kieler Gaststättenbetreiber*innen zu verpflichten, mehr Aschenbecher vor ihren Lokalen aufzustellen. Als SPD ging uns dieser Antrag nicht weit genug. Wir wollen nicht die Gaststättenbetreiber*innen verpflichten, sondern das Problem weiträumiger angehen.

Daher haben wir gemeinsam mit Grünen und FDP einen Änderungsantrag eingebracht. Dieser sieht vier Punkte vor, um die Umweltverschmutzung durch Zigarettenfilter einzudämmen.

  • Die Stadt soll eine Werbekampagne entwickeln, um auf das Problem durch achtlos weggeworfene Zigarettenfilter hinzuweisen.
  • Vor städtischen Gebäuden sollen ausreichend Aschenbecher aufgestellt werden. Dabei soll darauf geachtet werden, dass Nichtraucher*innen nicht beeinträchtigt werden.
  • Bei städtischen Veranstaltungen sollen ausreichend Aschenbecher aufgestellt werden.
  • Im Dialog mit den Gaststättenbetreiber*innen soll die Anzahl der Aschenbecher erhöht werden. Erst wenn dies nicht zum Erfolg führt, soll geprüft werden, ob es möglich ist, diese zu verpflichten.

Als SPD glauben wir, dass zunächst ein Bewusstsein für die Gefahr geschaffen werden muss. Was bringen uns Aschenbecher, die niemand nutzt? Außerdem kann die Stadt nicht nur auf andere zeigen, sondern muss sich selbst überprüfen. Und bevor wir die Gaststättenbetreiber*innen verpflichten, wollen wir im Dialog eine Lösung finden. Ob eine Verpflichtung überhaupt möglich ist, ist noch unklar. Und wie soll diese am Ende ausgestaltet werden? Soll jedes Restaurant verpflichtet werden oder nur, wenn es auch Außengastronomie hat? Was ist, wenn das Lokal überhaupt nicht möchte, dass im Eingangsbereich geraucht wird? Im Dialog lassen sich häufig schneller Lösungen finden. Dem geänderten Antrag haben übrigens alle Parteien zugestimmt – nur die Linke und die AfD haben sich enthalten. Warum auch immer …

Weitere Informationen
– Studie Uni Giesen
– WHO-Bericht
– Beitrag ARD
– Beitrag ZDF
– Beitrag Deutschlandfunk
– Beitrag Süddeutsche

 

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